Heizkörper entlüften in 5 Minuten
Der erste kalte Abend im Herbst, du drehst die Heizung auf, und der Heizkörper im Schlafzimmer wird nur unten warm. Dazu ein Gluckern, als würde jemand im Nebenzimmer gurgeln. Fast immer ist das Luft im Heizkreis. Die kannst du in fünf Minuten selbst ablassen.
Von Thomas Pichler, Installateur- und Gebäudetechnikermeister

Woran du Luft im Heizkörper erkennst
- Der Heizkörper ist unten warm, oben kalt oder nur lauwarm.
- Es gluckert, rauscht oder plätschert, vor allem nach dem Einschalten.
- Einzelne Räume werden nicht mehr richtig warm, obwohl das Thermostat ganz offen ist.
Luft sammelt sich immer an der höchsten Stelle. Darum ist der obere Teil kalt: Dort steht kein Heizwasser, sondern ein Luftpolster.
Was du brauchst
- einen Entlüftungsschlüssel (kostet ein paar Euro im Baumarkt, manche Ventile gehen auch mit einem flachen Schraubenzieher)
- ein altes Tuch und ein kleines Glas oder einen Becher
- fünf Minuten Zeit pro Heizkörper
Schritt für Schritt
- Thermostat ganz aufdrehen (Stufe 5), damit das Ventil offen ist.
- Umwälzpumpe kurz ausschalten oder die Heizung auf Pause stellen und etwa eine halbe Stunde warten. So steigt die Luft nach oben und das Wasser beruhigt sich.
- Entlüftungsventil suchen: ein kleines Vierkant-Ventil oben seitlich, meist auf der gegenüberliegenden Seite vom Thermostat.
- Tuch und Becher darunter halten und den Schlüssel langsam gegen den Uhrzeigersinn drehen, eine Viertel- bis halbe Umdrehung reicht.
- Es zischt: Das ist die Luft. Warte, bis Wasser ohne Blasen kommt, dann das Ventil wieder zudrehen. Nicht mit Gewalt, nur handfest.
- Heizung wieder einschalten und nach einer Stunde fühlen, ob der Heizkörper oben warm wird.
Hast du mehrere Heizkörper, fang im untersten Stockwerk an und arbeite dich nach oben.
Danach: den Druck prüfen
Beim Entlüften verlierst du ein bisschen Wasser, und damit Druck in der Anlage. Schau auf das Manometer an deiner Therme oder am Heizkessel. Bei den meisten Einfamilienhäusern liegt der richtige Wert ungefähr zwischen 1 und 2 bar, die genaue Angabe steht in der Anleitung deiner Anlage oder auf einem Aufkleber am Gerät.
Ist der Druck zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden. Wenn du weißt, wie es bei deiner Anlage geht, kannst du das selbst machen. Wenn nicht, ruf uns an: Falsch nachgefülltes Wasser kann mehr Luft ins System bringen, als du gerade herausgelassen hast.
Drei häufige Fehler
- Bei laufender Pumpe entlüften. Dann wird die Luft ständig verwirbelt und du lässt vor allem Wasser ab.
- Das Ventil ganz herausdrehen. Eine halbe Umdrehung reicht. Ist das Ventil einmal draußen, spritzt heißes Wasser, und das Zurückschrauben ist mühsam.
- Den Druck vergessen. Wer fünf Heizkörper entlüftet und danach nicht nachschaut, hat am nächsten Tag oft eine Störung an der Therme, weil zu wenig Wasser in der Anlage ist.
Wann du lieber uns holst
- Du musst jede Woche entlüften. Dann kommt irgendwo Luft hinein, oft über ein defektes Ausdehnungsgefäß oder eine undichte Stelle.
- Der Druck fällt nach dem Nachfüllen immer wieder ab.
- Das Ventil ist festgerostet oder tropft nach dem Zudrehen weiter.
- Heizkörper bleiben auch nach dem Entlüften kalt. Dann ist die Anlage vielleicht nicht hydraulisch abgeglichen.
Unser Tipp: Entlüfte einmal im Herbst, bevor die Heizsaison richtig losgeht. Dann wird es warm, wenn du es brauchst.


